Alle Einträge der Kategorie ‘Methodik’

Besser drei Mal überlegen

Besser drei Mal überlegen

Nach all den sprachlichen Problemen, die hier schon behandelt wurden, blieb doch noch ein wichtiger Punkt zu wenig erwähnt: die Übersetzung von Kulturtatsachen und ihre Tücken. Als Anlaß sei ein kleiner Satz zitiert, den man heute in der Bildergallerie der Tagesschau lesen konnte:

In der indischen Stadt Hyderabad töpfert ein Mann ein Ölgefäß für das “Diwali Festival” – Lichterfest, das am 17. Oktober gefeiert wird. Das Festival erinnert an den Hindugott Lord Rama, der nach 14 Jahren im Exil in seine Heimatstadt Ayodhya zurückgekehrt ist. Das Lichterfest gleicht dem deutschen Weihnachten und Silvester in einem.

Das Lichterfest gleicht natürlich nicht dem deutschen Weihnachten und Silvester in einem. Und um das zu wissen, muß man das Lichterfest noch nicht einmal kennen, sondern nur einen einzigen Dezember in Deutschland verbracht haben.

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Dieter E. Zimmer: Redens Arten

Dieter E. Zimmer: Redens Arten

Bevor man mit einer Übersetzung beginnt, kann es nicht schaden, wenn man sich einmal umsieht, was zur Technik des Übersetzens verfaßt worden ist – schon aber steht man im Bücherwald und weiß nicht ein noch aus. Einen amüsanten Einstieg in die häufigsten Fehler, die beim Übersetzen unterlaufen können, findet sich im Aufsatz „Wettbewerb der Übersetzer. Die einstweilige Unentbehrlichkeit des Humantranslators“ aus Dieter E. Zimmers Essayband Redens Arten.

Der Essay, ursprünglich erschienen in der Zeit im Jahre 1965, behandelt anhand einer unterhaltsamen Anekdote – dem Umstand, das Zimmer 620 Übersetzungen einer Prosaskizze von Graham Greene lesen und die beste auswählen mußte – die 16 häufigsten Probleme,  die beim Übersetzen auftreten können. Dieter E. Zimmer ist selbst Übersetzer und hat unter anderem viele Werke Nabokovs aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, so daß er auch seine eigenen Erfahrungen in den Aufsatz einfließen lassen konnte – seine These dabei ist, daß Übersetzungstheorien beim Übersetzen nicht helfen können – statt dessen bietet er einen Leitfaden dafür, was unbedingt zu Vermeiden sei.

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Gentes: Evaluation von Übersetzungen

Anne Gentes: Evaluation von Übersetzungen

Bei der Arbeit an den Goetheübersetzungen wird eine Beurteilung über die Qualität der Übersetzungen – sei es auch nur indirekt – nicht ausbleiben können. Um das Rad nicht neu erfinden zu müssen, sind daher Bücher für mich interessant, die schon das notwendige Handwerkszeug dafür mit sich bringen, aus dem ich mir dann das ein oder andere Hämmerchen zum Bearbeiten meiner eigenen Texte ausleihen kann.  Anne Gentes Untersuchung zur Evaluation von Übersetzungen – am Beispiel von Akutagawa Ryūnosuke: Kappa, das 2004 im iudicium-Verlag veröffentlicht wurde, schien da die richtige Wahl, denn schließlich verspricht es zu zeigen, wie man Übersetzungen bewerten kann.

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»Um dem Leser ohne sinologischen Hintergrund einen besseren Zugang zu “Der rote Stein” zu geben, aber auch das Verständnis für die auf den ersten Blick sehr fremden Hintergründe zu erleichtern, wurde bei der Übersetzung besonderer Wert darauf gelegt, auch dem „Anfänger“ in der Welt der asiatischen Literatur einen guten Einstieg zu gewährleisten. So wurden die eher unübersichtliche Personage von 283 auf leserverträgliche dreißig Figuren gekürzt, wobei besonderer Wert auf eine möglichst genaue Beibehaltung aller Beziehungen gelegt wurde. Um das zu erreichen, wurden dementsprechend einige Figuren, die vormals von verschiedenen Personen im Roman verkörpert wurden, gefühlvoll zusammengeschmolzen.

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West-östlicher Divan

West-östlicher Divan

Obwohl Goethe bekanntermaßen aus mancherlei Sprachen übersetzte, hat er sich doch wenig theoretisch zum Übersetzen geäußert; nur hier und da finden sich einzelne Anmerkungen dazu. Der einzige etwas längere Aufsatz über die Kunst des Übersetzens steht im West-östlichen Divan. Bei der Beurteilung von Goetheübersetzungen in andere Sprache ist es sicher nicht uninteressant, was der Autor selbst für eine gute Übersetzung hielt, und so sei auch dieser Aufsatz hier einmal aufgeführt.

Übersetzungen

Da nun aber auch der Deutsche durch Übersetzungen aller Art gegen den Orient immer weiter vorrückt, so finden wir uns veranlaßt, etwas zwar Bekanntes, doch nie genug zu Wiederholendes an dieser Stelle beizubringen.

Es gibt dreierlei Arten Übersetzung. Weiterlesen »

Gretchen stellt ihre Frage

Gretchen stellt ihre gleichnamige Frage

Jedem Übersetzer stellt sich spätestens bei der genaueren Ausformulierung des übersetzten Textes die – um beim Gegenstand zu bleiben – Gretchenfrage: Für wen schreibt man die Übersetzung? Die Antworten können so vielfältig sein wie die Leser: es läßt sich schreiben für sprachliches Fachpublikum, Philologen, Historiker, Ethnologen und so weiter und so fort, nicht zuletzt auch für gänzlich unbedarfte Leser, die sich einfach einen schönen, flüssig zu lesenden Text wünschen.

Die zwei interessantesten Fragen, die man mit einer Rückübersetzung zu beantworten versuchen kann, sind selbstverständlich: Wie gut übersetzt der Autor? und  Wie läßt sich der Originaltext in der Fremdsprache umsetzen? Diese beiden Fragen auf einmal beantworten zu wollen, bringt ein Dilemma mit sich: Möchte man die, womöglich gut gelungene, Übersetzung in ihrer sprachlichen Schönheit darstellen, muß man die Rückübersetzung wiederum in einen wohlklingenden Text verwandeln. Möchte man allerdings möglichst viel vom originalen Satzbau der Übersetzung durchscheinen lassen, so tut man dem Deutschen zwangsläufig, zumal bei entfernten Sprachen, Gewalt an.

Ein Beispiel sei genannt: Der zweite Vers Faustens bekannten Ausspruchs „Da steh’ ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor;“ liest sich, überträgt man den japanischen Satzbau Ōgai Mori Rintarōs Wort für Wort ins Deutsche, wie folgt:

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