Nora Bartels

 
Inoue Hisashis Essay-Band 7: Akutō to yūrei 悪党と幽霊 (Schufte und Gespenster).

Inoue Hisashis Essay-Band 7: Akutō to yūrei 悪党と幽霊 (Schufte und Gespenster).

Inoue Hisashis Essays wurden in zehn Bänden im Chūō kōron sha-Verlag veröffentlicht. Da es für meine Arbeit ohnehin von Nöten war, mir eine Übersicht darüber zu verschaffen und ich vermute, daß es auch für andere einen Nutzen haben könnte, poste ich hier die Inhaltsverzeichnisse.

井上ひさしのエッセイ集1-10の目次
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DoktorfischIn den nächsten zwei Jahren forsche ich an der Universität Osaka für mein Dissertationsthema, das den Arbeitstitel »Gesaku im Schaffen japanischer Schriftsteller der Gegenwart: Inoue Hisashis Beschäftigung mit der Literatur der späten Edo-Zeit« trägt. Genauer geht es dabei um folgendes:

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Zürich Hauptgebäude

Zürich Hauptgebäude

Mittlerweile steht das vorläufige Programm des 15. Japanologentages fest, der vom 28. bis 30. August in Zürich stattfinden wird. Im Rahmen der Sektion »Literatur I – Die Zukunft der Philologie«, geleitet von Frau Prof. Árokay und Herrn Prof. Quenzer, spreche ich am 29. August zu meinem Dissertationsthema »Gesaku im Werk von Inoue Hisashi«. Ich bin gespannt auf die anderen Vorträge freue mich auf einen Ausflug in den milden europäischen Sommer.

 
Fritz Kummer: Eines Arbeiters Weltreise

Fritz Kummer: Eines Arbeiters Weltreise

Reiseberichte aus alter Zeit sind bekanntermaßen eine wichtige Quelle japanologischer Forschung. Fritz Kummer, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Japan bereiste, kann nicht mit einem besonders alten Bericht bestechen. Es lohnt sich trotzdem, einen Blick in seine Aufzeichnungen zu werfen, denn die Perspektive ist zur damaligen Zeit einmalig: Mit nur einem geringen Startkapital ausgestattet, beging er eine Weltreise, die er sich über Arbeit in verschiedenen Fabriken und Kontakte aus der Arbeiterbewegung finanzierte. Dabei hat er Einblick in das Leben anderer Arbeiter und sozialistische Organisationen, ab und zu auch unfreiwilligen Kontakt mit der Polizei. In Japan zeigt er die Arbeitsbedingungen der Ärmsten auf wird nach Yoshiwara, dem Rotlichtbezirk Tokyos, eingeladen.

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Natürlich passiert das jetzt, wo ich nicht mehr in Deutschland bin: Das Deutsche Theater in Berlin inszeniert Inoue Hisashis »Little Boy – Big Taifoon«, ein Stück, das bereits in Hannover auf europäischen Bühnen uraufgeführt wurde. (Dort wird auch interessantes Lehrmaterial dazu bereitgestellt.)
Am 3. März ist Premiere – ich hoffe auf Rezensionen!

 
Auf den ersten Blick sieht man den Wachturm von Yoshiwara - der zweite Blick enthüllt ein Stück Tofu in einer Schale

Auf den ersten Blick sieht man den Wachturm von Yoshiwara - der zweite Blick enthüllt ein Stück Tofu in einer Schale

Vom 19. bis 22. Dezember hielt der emiritierte Professor der Tōkyō-Universität, Nobuhiro Shinji 延広真治, an der Universität Osaka eine Intensiv-Vorlesung über Santō Kyōdens »Kimyō zui« 『奇妙図彙』. Das Buch enthält, nach einer kurzen Einleitung, eine Reihe Bilderrätsel, die aus Schriftzeichen oder alltäglichen Gegenständen in ungewohnter Perspektive entstanden sind und immer eine intelligente Wendung enthalten. Continue reading »

Jul 282011
 

Alle Leser möchte ich um Entschuldigung für die anhaltende Pause bitten – wir haben eine kleine private Veränderung im Haus.

 
Stationen aus Inoues Leben

Stationen aus Inoues Leben

Der Name Inoue Hisashi wird in diesem Journal öfter fallen, doch ist er sicherlich nicht jedem Leser geläufig. Möchte man erfahren, wer das eigentlich ist, so – hilft einem auch diese kleine Biographie nicht weiter. Aber irgendwo muß der Anfang gemacht werden, und ein Überblick über sein Leben ist vielleicht nicht der schlechteste:

Inoue Hisashi 井上 ひさし1 wurde 1934 in Komatsu (heute Kawanishi) in der Präfektur Yamagata im Norden der größten japanischen Hauptinsel geboren. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater und seine Mutter gab ihren Sohn in ein christliches-baptistisches Waisenhaus in der Präfektur Miyagi. Die aufopferungsvolle Pflege der Kinder durch die Mönche beeindruckte Inoue tief und floß auch in sein Werk ein.

In seiner Oberschule in Sendai nahm er an den Aktivitäten der Schülerzeitung teil. Nach seinem Abschluß bewarb er sich bei unterschiedlichen Universitäten, zu denen er jedoch entweder nicht zugelassen wurde oder die Studiengebühren nicht bezahlen konnte. Schließlich vermittelte ihn ein Priester des Waisenhauses an die katholische Sophia-Universität in Tokyo, wo er zunächst Deutsch studierte. Davon jedoch unbefriedigt, machte er eine zweijährige Pause, um in der Präfektur Iwate zu arbeiten. Zwischenzeitlich von dem Vorhaben besessen, Medizin zu studieren, kehrte er nach weiteren erfolglosen Aufnahmeprüfungen an die Sophia-Universität zurück und welchselte dort seine Fachrichtung zu Französisch.

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  1. Inoues Pseudonyme sind Uchiyama Hisashi 内山廈 und Chihitsudou 遅筆堂. Sein Geburtsname schreibt sich 井上廈 (Inoue Hisashi). []
 
Portrait des Gesaku-Schriftstellers Santō Kyōden 山東京伝 durch Chōkyūsai Eiri 鳥橋斎栄里

Portrait des Gesaku-Schriftstellers Santō Kyōden 山東京伝 durch Chōkyūsai Eiri 鳥橋斎栄里

Eine Bezeichnung, auf die ich in diesem Journal häufiger zu schreiben kommen werde, ist gesaku. Damit wiederholte Erklärungen entfallen können, soll hier kurz erklärt werden, was es mit diesem Wort auf sich hat.

Gesaku 戯作 (andere Leseweisen sind kisaku, gisaku, kesaku) bedeutet wörtlich »im Scherz gemacht« und ist ein Oberbegriff für verschiedene Prosa-Textsorten, die in der Edo-Zeit (1603–1868) entstanden sind. Er drückt aus, daß der Autor seinem Werk eine leichtfertige Haltung gegenüber einnnimmt; es also nicht seinen ernsten (Haupt-)Geschäften gleichkommt.

In seiner ersten Phase in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden gesaku-Werke von einer überschaulichen Gruppe Gelehrter geschrieben und im kleinen Kreis verbreitet. Während auch zu dieser Zeit schon verschiedene Textsorten dazuzählten, drehten sie sich inhaltlich recht eng um Moden, Gerüchte und das Leben in den Freudenvierteln und auf dem Theater. Stilistisch zeichneten sich sich durch Wortspiele, Anspielungen und Parodien auf ältere Werke und eine komplexen formalen Aufbau aus.

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Ein Internetjournal mit Japanbezug, das dieser Tage nicht über die Katastrophe im Norden der Hauptinsel Honshū berichtet, hat vermutlich einen triftigen Grund dafür. Meiner war: Ich habe keinen blassen Schimmer von Strahlungsgefährlichkeit und weiß auch nicht, wie die Lage im Atomkraftwerk Fukushima I genau aussieht. Daran hat sich bisher auch nichts geändert.

Bin ich also auch kein Atomkraftexperte, so habe ich wenigstens die Möglichkeit, japanische und englische Medien den deutschen hinzuzuziehen, und dabei kamen die deutschen dieses Mal erstaunlich schlecht weg. Kaum eine Zeitung oder ein Bericht wurde veröffentlicht, der nicht durch reißerische Titel das beunruhigende Gefühl vermittelte, die Verfasser wünschten sich die Katastrophe heran. Ich möchte die Male nicht zählen, die ich Meldungen wie »Tokyo vor dem Super-GAU« lesen mußte. Nachrichten aus Japan wurden aufgegriffen und auf die schlimmstmögliche Weise interpretiert, Horrorszenarien entworfen, Japaner als entweder inkompetent oder von eigenartiger Disziplin getrieben beschrieben und darüber hinaus regelrechte Falschmeldungen verbreitet, die bis heute kursieren. Da sich die kritische Diskussion über die deutsche Berichterstattung momentan noch weitgehend japanologie-intern abspielt, möchte ich hier einige Links verbreiten von Menschen, die bereits Vernünftiges zum Thema beigetragen haben.

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Mußte das sein?

Mußte das sein?

Philologe ist kein Beruf, mit dem sich das große Geld machen läßt. Wie viele interessieren sich schon dafür, was Goethe wann zu Eckermann sagte? Wir ahnen: viele werden es nicht sein. Das dachte sich wohl auch Gero von Wilpert – sonst eher für seine umfangreichen Nachschlagewerke zur deutschen Klassik bekannt. Es kann nur geraten werden, was ihn dazu trieb, das Buch Die 101 wichtigsten Fragen: Goethe zu verfassen: Wollte er die Massen erreichen? Hatte er  Informationsabfall, der noch verwertet werden mußte? War er jung und brauchte das Geld?

Von letzterem kann abgesehen werden, obwohl es vielleicht das am leichtesten zu verzeihende wäre. Das reizende und leicht entschuldigende Vorwort des Buches hätte mich fast davon abgehalten, es hier vorzustellen – ich schreibe »vorzustellen«, da hier ein Zitat jegliche Parodie erübrigt. Beginnen wir mit einem Blick in die »Top Ten«, also die laut von Wilpert 10 wichtigsten Fragen an Goethe:

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Uni Marburg: Genauso unterschiedlich wie das Programm

Uni Marburg: Genauso unterschiedlich wie das Programm

Die Frage, was eigentlich zum »Orient« zähle, ist nicht leicht zu beantworten – wenn man sich die Fächervielfalt des 31. DOTs ansieht, jedenfalls eine ganze Menge: Von Afrikanistik bis Zentralasien war eine ganze Menge Welt vertreten. Daß all diese Fächer dennoch sinnvoll in einem Programm untergebracht werden konnten, ist das Verdienst der Veranstalter der Universität Marburg.

Die Eröffnungsfeierlichkeiten in der Aula der Alten Bibliothek wurden durch eine hervorragende Festrede von Prof. Thomas Bauer (Münster) gekrönt, die ein paar Vorurteile zu dem, was deutschen Medien als »typisch muslimisch« gilt, geradegerückt hat, zugleich aber auch berührte, was alle, die sich intensiv mit fremden Kulturen beschäftigen, Sorgen bereiten muß: Das Mißtrauen und Unverständnis gegenüber Erscheinungsformen anderer Länder, die aus unzureichender Information und allzu viel Lust am schnellen Urteilen herrühren.

Die Vielfalt des DOTs und Größe des Kongresses (über achthundert Teilnehmer) ist lobenswert, wenn auch bald offensichtlich wurde, daß verhältnismäßig wenig Besucher die Chance nutzten, an fachfremden Veranstaltungen teilzunehmen. Die Sinologie und Japanologie waren dieses Mal dennoch recht gut besucht  und die Veranstaltungen zeigten eine weite Bandbreite dessen, was die Fächer zu bieten haben.

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Hat gebabbelt: Johann Wolfgang von Goethe

Hat gebabbelt: Johann Wolfgang von Goethe

Guos Moruos Faust-Übersetzung wird mitunter vorgeworfen, daß Wörter daraus aus dem Heimatdialekt Guos, nämlich der Sprache Sichuans, stammen. Das ist sicherlich keine völlig unbegründete Kritik, beschäftigen sich doch gleich die ersten zwei von Goethes Regeln für Schauspieler eben mit dem Gebrauch von Dialekt auf der Bühne:

Dialekt

§ 1

Wenn mitten in einer tragischen Rede sich ein Provinzialismus eindrängt, so wird die schönste Dichtung verunstaltet und das Gehör des Zuschauers beleidigt. Daher ist das Erste und Notwendigste für den sich bildenden Schauspieler, daß er sich von allen Fehlern des Dialekts befreie und eine vollständige reine Aussprache zu erlangen suche. Kein Provinzialismus taugt auf die Bühne! Dort herrsche nur die reine deutsche Mundart, wie sie durch Geschmack, Kunst und Wissenschaft ausgebildet und  verfeinert worden.

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Programmheft des diesjährigen DOTs

Programmheft des diesjährigen DOTs

Mittlerweile stehen Datum, Zeit und Ort meines Vortrags auf dem 31. Deutschen Orientalistentag in Marburg fest. Alle Zuhörer sind herzlich willkommen:

Freitag, 24. September 2010

9-10:30 (Block 3)

Wilhelm-Röpke-Str. 6, Raum 03B07

zu meinem Vortrag mit dem Titel »Ich muß es anders übersetzen: Die Faust-Übersetzungen
von Mori Ōgai und Guo Moruo«.

 

Die Arbeit verwehrt mir momentan längere Einträge, da scheint es genau die richtige Zeit für ein Preisausschreiben. Die schwedische Firma Pictura Graphica brachte 1992 eine Postkarte auf den Markt, die ich seitdem nicht versenden konnte – hatte sich doch ein fabelhafter Übersetzungsfehler hineingeschlichen. Wer ihn findet, bekommt von mir eine Goethesche Weisheit gratis.

Die aufgeklappte Karte birgt das Rätsel:

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