Nora Bartels

Nov 242012
 

Ich habe die Ehre, im Rahmen der Feierlichkeiten zu Mori Ôgais 150. Geburtstag in der Mori-Ôgai-Gedenkstätte der Humboldt-Universität zu Berlin einen Vortrag halten zu dürfen. Es wird eine Einführung in die Faust-Übersetzung Moris und ist für Besucher offen. Fachkenntnisse sind nicht notwendig.

Im Anschluß spricht Herr Prof. Kracht über Moris Verhältnis zur Religion.

“Ôgais Faust-Übersetzung” Vortrag von Nora Bartels (Universität Osaka)

“Ôgai und die Religion – Weihnachten im Haus Meerblick” Vortrag von Prof. Klaus Kracht (Humboldt-Universität)

19. Dezember 2012
18:00 Uhr

Mori-Ôgai-Gedenkstätte
Luisenstr. 39
Berlin-Mitte

 

Aug 122012
 
Densha ga mairimasu - ohne Keigo kann man keinen Schritt auf den Bahnhof setzen

Densha ga mairimasu – ohne Keigo kann man keinen Schritt auf den Bahnhof setzen

Hier an der Universität Osaka organisiert Prof. Kinsui eine Veranstaltung namens »Nihongo Café«, die in einer ihrer Sitzungen die japanische Höflichkeitssprache, Keigo, zum Thema hatte. Die  Studenten diskutierten darüber, ob Keigo notwendig sei, ob sie Probleme bei der Anwendung hätten, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren würden, und es gab auch einige Versuchsgespräche, in denen man völlig ohne Höflichkeitssprache auskommen sollte. Von den vielen interessanten Ergebnissen dieser Fragen und Experimente hier nur eines: Kein einziger der Studenten stellte Keigo als solches in Frage. Tatsächlich wird es als notwendig und, im Umgang mit Fremden, als praktisch empfunden.

Warum ich diesen, im Grunde genommen banalen, Fakt so herausstelle? In meiner Zeit als Studentin in Deutschland habe ich, wie wohl die meisten Japanologiestudenten, von der Höflichkeitssprache Keigo eher am Rande erfahren. Genauer gesagt widmeten sich zwei kleine Kapitel unseres umfangreichen zweibändigen Lehrwerks diesem Thema, der Rest vermittelte die gewöhnliche Höflichkeitssprache teineigo, bzw. die freundschaftliche Umgangssprache. Continue reading »

Jun 102012
 

Vor kurzem wurde von La Rassegna del traduttore eine große internationale Liste von Übersetzungsblogs zusammengestellt. Ein gleichartiges Großprojekt steht nicht auf meinem Plan, aber ich würde gerne Blogs mit wissenschaftlichem Anspruch, die sich mit Japan auseinandersetzen, an einem Ort versammeln. Reiseberichte, Wirtschaftsberatung oder Blogs, die sich japanischer Popkultur oder Gadgets aus Fanperspektive nähern, sollen dabei ausgespart bleiben. Mein Schwerpunkt sind deutschsprachige Seiten, doch gute andere, für mich rezipierbare (d.h. französische, chinesische) Seiten nehme ich auch gerne auf. Japanische Blogs sind zu zahlreich, um momentan von mir erfaßt werden zu können. Für englische Blogs gibt es die erfreulich ausführliche Seite http://japanblogdirectory.com/.
Wenn jemand Hinweise auf weitere Links hat, würde ich mich darüber freuen. Meine bisherigen Funde:

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Apr 282012
 

Mittwoch, 29.8.2012, 9:00 Uhr, KOL-Hauptgebäude der Universität Zürich in der Rämistr. 71, Raum F109

Abstract:

Gesaku, zu deutsch »spielerische Werke« oder »im Spaß Gemachtes«, ist ein Begriff für verschiedene Arten von – teilweise illustrierter – Prosa der mittleren und späten Edo-Zeit, deren Kennzeichen Humor und ein ausladend-phantasievoller Umgang mit der Sprache ist. Inoue Hisashi (1934–2010), dessen Schaffen ihm nicht nur den Naoki-Preis und zahlreiche weitere Auszeichnungen, sondern auch ein ausgesprochen großes Lesepublikum verschaffte, greift in seinen Dramen, Romanen, Erzählungen und Essays Traditionen der Edo-Zeit auf, sei es im Stil, in der Themenwahl, oder indem er sich theoretisch wie historisch mit der Gesaku-Literatur und ihren Schriftstellern beschäftigt.

Inoue wurde in verschiedenen Zusammenhängen shin gesakusha (»neuer Gesaku-Literat«) genannt und hat, dieses Label ablehnend, sich selbst in einem Interview als nise-gesakusha, also als Nachahmung bzw. Fälschung eines Gesaku-Schriftstellers, bezeichnet. Wie aber ist die Bezeichnung shin gesakusha zu verstehen, die in der japanischen Literaturwissenschaft für eine Reihe höchst unterschiedlicher Schriftsteller bemüht wurde? Sind inhaltliche oder stilistische Merkmale hier Kriterium? Oder fließen noch andere Überlegungen ein? Läßt sich Gesaku als Genre definieren, und wenn ja, ist es sinnvoll, diesen Begriff für Literatur der Gegenwart zu benutzen? Zur Beantwortung dieser Fragen meiner Forschung führe ich eine philologische Analyse ausgewählter Werke Inoues durch. In meinem Vortrag stelle ich Passagen daraus geeigneten Ausschnitten der edozeitlichen Literatur gegenüber und zeige so Übereinstimmungen, aber auch Grenzen der Ähnlichkeit auf. Die Philologie bietet auf diesem Wege einen Schlüssel zum Verständnis der Literatur Inoues.

 

Japanische Version / 日本語:

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Mrz 162012
 
Bibliothek der Universität Osaka

Bibliothek der Universität Osaka

»Für einen globalen Horizont der Geisteswissenschaften« heißt das Motto des Studentenworkshops mit Rednern aus drei Universitäten, die Ende März in der Osaka-Universität zusammentreffen werden. Ich stelle dort mein Dissertationsthema vor unter dem Titel: ›Shin gesaku sha‹ Inoue Hisashi to Edo bungaku 「新戯作者」井上ひさしと江戸文学 (Der ›Neue Gesaku-Literat‹ Inoue Hisashi und die Literatur der Edo-Zeit). Der Eintritt ist frei.

Datum: 27. März 2012

Uhrzeit: 10-19:30 (mein Vortrag: 16:40–17:20)

Ort: Osaka Universität, Toyonaka-Campus, Student Commons, Kaihōgata seminar shitsu

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten im Workshop-Programm.

Feb 222012
 
Inoue Hisashis Essay-Band 7: Akutō to yūrei 悪党と幽霊 (Schufte und Gespenster).

Inoue Hisashis Essay-Band 7: Akutō to yūrei 悪党と幽霊 (Schufte und Gespenster).

Inoue Hisashis Essays wurden in zehn Bänden im Chūō kōron sha-Verlag veröffentlicht. Da es für meine Arbeit ohnehin von Nöten war, mir eine Übersicht darüber zu verschaffen und ich vermute, daß es auch für andere einen Nutzen haben könnte, poste ich hier die Inhaltsverzeichnisse.

井上ひさしのエッセイ集1-10の目次
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Jan 132012
 
Zürich Hauptgebäude

Zürich Hauptgebäude

Inzwischen steht das vorläufige Programm des 15. Japanologentages fest, der vom 28. bis 30. August in Zürich stattfinden wird. Im Rahmen der Sektion »Literatur I – Die Zukunft der Philologie«, geleitet von Frau Prof. Árokay und Herrn Prof. Quenzer, spreche ich am 29. August zu meinem Dissertationsthema »Gesaku im Werk von Inoue Hisashi«. Ich bin gespannt auf die anderen Vorträge freue mich auf einen Ausflug in den milden europäischen Sommer.

Jan 082012
 
Fritz Kummer: Eines Arbeiters Weltreise

Fritz Kummer: Eines Arbeiters Weltreise

Reiseberichte aus alter Zeit sind bekanntermaßen eine wichtige Quelle japanologischer Forschung. Fritz Kummer, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Japan bereiste, kann nicht mit einem besonders alten Bericht bestechen. Es lohnt sich trotzdem, einen Blick in seine Aufzeichnungen zu werfen, denn die Perspektive ist zur damaligen Zeit einmalig: Mit nur einem geringen Startkapital ausgestattet, beging er eine Weltreise, die er sich über Arbeit in verschiedenen Fabriken und Kontakte aus der Arbeiterbewegung finanzierte. Dabei hat er Einblick in das Leben anderer Arbeiter und sozialistische Organisationen, ab und zu auch unfreiwilligen Kontakt mit der Polizei. In Japan zeigt er die Arbeitsbedingungen der Ärmsten auf wird nach Yoshiwara, dem Rotlichtbezirk Tokyos, eingeladen.

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Dez 292011
 
Auf den ersten Blick sieht man den Wachturm von Yoshiwara - der zweite Blick enthüllt ein Stück Tofu in einer Schale

Auf den ersten Blick sieht man den Wachturm von Yoshiwara - der zweite Blick enthüllt ein Stück Tofu in einer Schale

Vom 19. bis 22. Dezember hielt der emiritierte Professor der Tōkyō-Universität, Nobuhiro Shinji 延広真治, an der Universität Osaka eine Intensiv-Vorlesung über Santō Kyōdens »Kimyō zui« 『奇妙図彙』. Das Buch enthält, nach einer kurzen Einleitung, eine Reihe Bilderrätsel, die aus Schriftzeichen oder alltäglichen Gegenständen in ungewohnter Perspektive entstanden sind und immer eine intelligente Wendung enthalten. Continue reading »

Jun 072011
 
Stationen aus Inoues Leben

Stationen aus Inoues Leben

Der Name Inoue Hisashi wird in diesem Journal öfter fallen, doch ist er sicherlich nicht jedem Leser geläufig. Möchte man erfahren, wer das eigentlich ist, so – hilft einem auch diese kleine Biographie nicht weiter. Aber irgendwo muß der Anfang gemacht werden, und ein Überblick über sein Leben ist vielleicht nicht der schlechteste:

Inoue Hisashi 井上 ひさし1 wurde 1934 in Komatsu (heute Kawanishi) in der Präfektur Yamagata im Norden der größten japanischen Hauptinsel geboren. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater und seine Mutter gab ihren Sohn in ein christliches-baptistisches Waisenhaus in der Präfektur Miyagi. Die aufopferungsvolle Pflege der Kinder durch die Mönche beeindruckte Inoue tief und floß auch in sein Werk ein.

In seiner Oberschule in Sendai nahm er an den Aktivitäten der Schülerzeitung teil. Nach seinem Abschluß bewarb er sich bei unterschiedlichen Universitäten, zu denen er jedoch entweder nicht zugelassen wurde oder die Studiengebühren nicht bezahlen konnte. Schließlich vermittelte ihn ein Priester des Waisenhauses an die katholische Sophia-Universität in Tokyo, wo er zunächst Deutsch studierte. Davon jedoch unbefriedigt, machte er eine zweijährige Pause, um in der Präfektur Iwate zu arbeiten. Zwischenzeitlich von dem Vorhaben besessen, Medizin zu studieren, kehrte er nach weiteren erfolglosen Aufnahmeprüfungen an die Sophia-Universität zurück und welchselte dort seine Fachrichtung zu Französisch.

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  1. Inoues Pseudonyme sind Uchiyama Hisashi 内山廈 und Chihitsudou 遅筆堂. Sein Geburtsname schreibt sich 井上廈 (Inoue Hisashi). []
Mai 082011
 
Portrait des Gesaku-Schriftstellers Santō Kyōden 山東京伝 durch Chōkyūsai Eiri 鳥橋斎栄里

Portrait des Gesaku-Schriftstellers Santō Kyōden 山東京伝 durch Chōkyūsai Eiri 鳥橋斎栄里

Eine Bezeichnung, auf die ich in diesem Journal häufiger zu schreiben kommen werde, ist gesaku. Damit wiederholte Erklärungen entfallen können, soll hier kurz erklärt werden, was es mit diesem Wort auf sich hat.

Gesaku 戯作 (andere Leseweisen sind kisaku, gisaku, kesaku) bedeutet wörtlich »im Scherz gemacht« und ist ein Oberbegriff für verschiedene Prosa-Textsorten, die in der Edo-Zeit (1603–1868) entstanden sind. Er drückt aus, daß der Autor seinem Werk eine leichtfertige Haltung gegenüber einnnimmt; es also nicht seinen ernsten (Haupt-)Geschäften gleichkommt.

In seiner ersten Phase in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden gesaku-Werke von einer überschaulichen Gruppe Gelehrter geschrieben und im kleinen Kreis verbreitet. Während auch zu dieser Zeit schon verschiedene Textsorten dazuzählten, drehten sie sich inhaltlich recht eng um Moden, Gerüchte und das Leben in den Freudenvierteln und auf dem Theater. Stilistisch zeichneten sich sich durch Wortspiele, Parodien und Anspielungen auf ältere Werke und eine komplexen formalen Aufbau aus.

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Mrz 232011
 

Ein Internetjournal mit Japanbezug, das dieser Tage nicht über die Katastrophe im Norden der Hauptinsel Honshū berichtet, hat vermutlich einen triftigen Grund dafür. Meiner war: Ich habe keinen blassen Schimmer von Strahlungsgefährlichkeit und weiß auch nicht, wie die Lage im Atomkraftwerk Fukushima I genau aussieht. Daran hat sich bisher auch nichts geändert.

Bin ich also auch kein Atomkraftexperte, so habe ich wenigstens die Möglichkeit, japanische und englische Medien den deutschen hinzuzuziehen, und dabei kamen die deutschen dieses Mal erstaunlich schlecht weg. Kaum eine Zeitung oder ein Bericht wurde veröffentlicht, der nicht durch reißerische Titel das beunruhigende Gefühl vermittelte, die Verfasser wünschten sich die Katastrophe heran. Ich möchte die Male nicht zählen, die ich Meldungen wie »Tokyo vor dem Super-GAU« lesen mußte. Nachrichten aus Japan wurden aufgegriffen und auf die schlimmstmögliche Weise interpretiert, Horrorszenarien entworfen, Japaner als entweder inkompetent oder von eigenartiger Disziplin getrieben beschrieben und darüber hinaus regelrechte Falschmeldungen verbreitet, die bis heute kursieren. Da sich die kritische Diskussion über die deutsche Berichterstattung momentan noch weitgehend japanologie-intern abspielt, möchte ich hier einige Links verbreiten von Menschen, die bereits Vernünftiges zum Thema beigetragen haben.

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