Mittwoch, 29.8.2012, 9:00 Uhr, KOL-Hauptgebäude der Universität Zürich in der Rämistr. 71, Raum F109
Abstract:
Gesaku, zu deutsch »spielerische Werke« oder »im Spaß Gemachtes«, ist ein Begriff für verschiedene Arten von – teilweise illustrierter – Prosa der mittleren und späten Edo-Zeit, deren Kennzeichen Humor und ein ausladend-phantasievoller Umgang mit der Sprache ist. Inoue Hisashi (1934–2010), dessen Schaffen ihm nicht nur den Naoki-Preis und zahlreiche weitere Auszeichnungen, sondern auch ein ausgesprochen großes Lesepublikum verschaffte, greift in seinen Dramen, Romanen, Erzählungen und Essays Traditionen der Edo-Zeit auf, sei es im Stil, in der Themenwahl, oder indem er sich theoretisch wie historisch mit der Gesaku-Literatur und ihren Schriftstellern beschäftigt.
Inoue wurde in verschiedenen Zusammenhängen shin gesakusha (»neuer Gesaku-Literat«) genannt und hat, dieses Label ablehnend, sich selbst in einem Interview als nise-gesakusha, also als Nachahmung bzw. Fälschung eines Gesaku-Schriftstellers, bezeichnet. Wie aber ist die Bezeichnung shin gesakusha zu verstehen, die in der japanischen Literaturwissenschaft für eine Reihe höchst unterschiedlicher Schriftsteller bemüht wurde? Sind inhaltliche oder stilistische Merkmale hier Kriterium? Oder fließen noch andere Überlegungen ein? Läßt sich Gesaku als Genre definieren, und wenn ja, ist es sinnvoll, diesen Begriff für Literatur der Gegenwart zu benutzen? Zur Beantwortung dieser Fragen meiner Forschung führe ich eine philologische Analyse ausgewählter Werke Inoues durch. In meinem Vortrag stelle ich Passagen daraus geeigneten Ausschnitten der edozeitlichen Literatur gegenüber und zeige so Übereinstimmungen, aber auch Grenzen der Ähnlichkeit auf. Die Philologie bietet auf diesem Wege einen Schlüssel zum Verständnis der Literatur Inoues.
Japanische Version / 日本語:
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