Ein Internetjournal mit Japanbezug, das dieser Tage nicht über die Katastrophe im Norden der Hauptinsel Honshū berichtet, hat vermutlich einen triftigen Grund dafür. Meiner war: Ich habe keinen blassen Schimmer von Strahlungsgefährlichkeit und weiß auch nicht, wie die Lage im Atomkraftwerk Fukushima I genau aussieht. Daran hat sich bisher auch nichts geändert.

Bin ich also auch kein Atomkraftexperte, so habe ich wenigstens die Möglichkeit, japanische und englische Medien den deutschen hinzuzuziehen, und dabei kamen die deutschen dieses Mal erstaunlich schlecht weg. Kaum eine Zeitung oder ein Bericht wurde veröffentlicht, der nicht durch reißerische Titel das beunruhigende Gefühl vermittelte, die Verfasser wünschten sich die Katastrophe heran. Ich möchte die Male nicht zählen, die ich Meldungen wie »Tokyo vor dem Super-GAU« lesen mußte. Nachrichten aus Japan wurden aufgegriffen und auf die schlimmstmögliche Weise interpretiert, Horrorszenarien entworfen, Japaner als entweder inkompetent oder von eigenartiger Disziplin getrieben beschrieben und darüber hinaus regelrechte Falschmeldungen verbreitet, die bis heute kursieren. Da sich die kritische Diskussion über die deutsche Berichterstattung momentan noch weitgehend japanologie-intern abspielt, möchte ich hier einige Links verbreiten von Menschen, die bereits Vernünftiges zum Thema beigetragen haben.

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Sep 122009
 
"China provoziert Gastgeber" Screenshot der Tagesschau-Webseite vom 12. 09. 09

"China provoziert Gastgeber" Screenshot der Tagesschau-Webseite vom 12. 09. 09

“China provoziert Gastgeber” lautet die Überschrift zu einem Video, das man heute auf den Seiten der Tagesschau sehen kann. Tendenziöse Berichterstattung, wie man sie in Deutschland gewöhnt ist, so bald (nicht nur) über China gesprochen wird. Dabei ist in nichts peinlich, selbst nicht, daß die Überschrift durch das dazugehörige Video kompromittiert wird. Dort wird nämlich gezeigt, daß – als für die VR problematisch bekannte – “regimekritische” Schriftsteller Dai Qing und Bei Ling, die vorher offiziell ausgeladen waren, “im letzten Moment” doch noch eingeladen worden sind und das Programm kurzfristig geändert wurde. Petra Roth (CDU), Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main mußte auch noch einmal ihre rechtstaatliche Aufrichtigkeit beweisen und die Buchmesse “für fehlende Standhaftigkeit gegenüber den chinesischen Behörden” kritisieren – natürlich in aller Öffentlichkeit und vor dem chinesischen Komitee. Schließlich wurden die beiden kurzfristig eingeladenen Schriftsteller auch noch für ein Statement auf die Bühne geladen, worauf das chinesische Komitee den Saal verließ, um allerdings wenig später wieder zurück zu kehren. – Eine unerhörte Provokation also, wie man in der Tagesschau beflissen berichtet. Continue reading »

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