Was tun mit Onomatopöie?

Diesmal, etwas ungewöhnlich hier, eine Frage an die Leser.
Ein Merkmal aus Robins wunderbarer Übertragung von Inoues “Tōno monogatari”, die ich neulich hier erwähnte, ist mir besonders ins Auge gestochen und ich bin mir noch uneins darüber, ob es mir gefällt oder nicht. Wie viele meiner Leser wissen werden, spielt Lautmalerei in japanischer Sprache und Literatur eine prominente Rolle und sind ein beliebter Kopfzerbrecher für alle Übersetzer. Robins hat sich gelegentlich entschieden, Onomatopoesie nicht zu verbalisieren, d.h. hier: zum Verb zu machen, wie es in der Regel gehandhabt wird. (Für gewöhnlich wird also: “Das Feuer machte pachi pachi.” mit: “Das Feuer knisterte.” übersetzt.) Andererseits nehmen diese Art von stimmungsprägenden, klangvollen Wörter bei Inoue von Zeit zu Zeit Schlüsselpositionen ein und gestalten mit ihrer unmittelbaren Verständlichkeit das Leseerlebnis.

Robins schreibt also, anstelle von: “glucksend spülte er sich den Mund aus” nun: “he rinsed his mouth with a gobu-gobu-gobu sound”.

Noch ein paar Beispiele zur Veranschaulichung – und eine Umfrage:

As I peered into the darkness I heard the sound of padded footsteps — hita-hita-hita — as a white figure emerged from the pitch-black garden.

::
Although they say that snow falls without making a sound, that’s not so; that snow clearly made the sounds sa, sa, kasa, kasa, as it fell.

::
‘Kuwaan! Kuwaan!’ “In the distance I heard the sound of wolves howling on and off.

::
Even when there was no wind, I could hear the trees of the forest make a rustling zawa-zawa sound.

Ich setze mich schon zu lange mit japanischen Texten auseinander, um noch unbeschwert beurteilen zu können, wie so ein Satz auf Leser wirkt und wäre gespannt Ihre Ansichten. Daher würde ich mich freuen, wenn Sie mir Ihre Meinung verraten:

Wie sollte man mit Soundwords im Allgemeinen umgehen?

View Results

Loading ... Loading ...

Oder bevorzugen Sie eine andere Methode? Dann hinterlassen Sie mir doch einen Kommentar dazu.

8 Kommentare

  1. Ich finde, man sollte die japanische Onomatopöie beibehalten, wenn es geht (denn sie ist doch eine so schöne Besonderheit des Japanischen). Allerdings finde ich die Konstruktion “mit einem gobu-gobu Geräusch” zu umständlich (im Japanischen ist das wahrscheinlich kürzer und prägnanter). Wie wäre es z.B. mit: “gobu-gobu – hatte er sich den Mund ausgespült”?
    (Bei dem Beispiel finde ich übrigens den Kontrast nicht so schlagend, weil “glucksend” ja auch etwas Onomatopoietisches hat – drum habe ich mich enthalten…)

  2. Es haengt auch vom Kontext ab, was passender ist, finde ich. Im Rahmen einer Manga-Uebersetzung beispielsweise kann es durchaus angemessen sein, entweder die japanische Variante beizubehalten – so sie denn fuer deutsche Leser nachvollziehbar ist – oder eine entsprechende deutsche Variante zu waehlen, wie “gluck-gluck-gluck”. Macht natuerlich nur Sinn, wenn sich das ausserhalb des narrativen Texts befindet, oder wenn es sich effektiv in den Satz einbauen laesst, à la “‘kra-wumm! schlug er die Tuer zu”.

    Allerdings gibt es meiner Meinung auch Situationen, in denen im Deutschen die Lautmalerei unpassend wirkt. Etwa wenn im japanischen Text das Geraeusch beschrieben wird, das Milch macht, die in Kaffee gegossen wird (um ein beliebtes Beispiel zu zitieren). In diesen Faellen verzichte ich meistens darauf, die Onomatopoesie zu uebersetzen, und versuche eher, die Stimmungsnuance im deutschen Text zu erfassen.

    Insgesamt finde ich die transkribierte Uebernahme japanischer Onomatopoesie weniger gut, sie wirkt fremd im deutschen Text und stoert in meinen Augen meist sowohl den Textfluss als auch die Einladung zur Empathie an den Leser.

  3. Eltern befragt; sie fanden die Lautwörter extrem befremdlich. Außerdem “hören” sie nicht die japanische Aussprache, sondern eine deutsche, also “footsteps — hiitaa-hiitaa-hiitaa” und fragen sich, wie man dieses Geräusch mit Fußstapfen in Verbindung bringen könnte.

    Ebenfalls würden sie bei Wölfen deutsche Lautbegriffe erwarten, nicht die japanischen (auch wenn ich nicht weiß, wie man das umschreibt). Oder bei Katzen halt “miau” statt “nyan”.

  4. Also, wenn das bei Inoue wirklich ständig vorkommt, würde ich wohl darauf verzichten, jedes Mal mit gobu-gobu-gobu-Klang und zawa-zawa-Geräusch zu übersetzen. Außerdem würde ich überlegen, ob die japanischen Geräusche der deutschen Wort-Klang-Bildung immer so entsprechen. Man könnte auch “glubber-glubber-Geräusch” oder sowas nehmen. Aber ab und an ist das eine schöne Eigenart des Japanischen, die einem Text eine besondere Note verleihen kann.

  5. Also die von Jana beschriebenen Probleme sehe ich auch. Wobei sich der Leser auch eine Aussprache ausdenken kann, die passt. Ich habe oft bei mir schon gemerkt, dass ich Lautmalereien ungenau lese und etwas draus mache, was dann zu meiner Vorstellung passt. Aus diesem Grund finde ich es auch schade, wenn die wegfallen würden. Gerade bei Naturgeräuschen finde ich es sehr schön und da habe ich mich auch häufiger schonmal über Verbwahlen geärgert. Wenn der Schnee sa sa kasa kasa fällt, reim ich mir das so zusammen, dass es passt. Wenn der Schnee raschelnd fällt oder mit anderen verben, dann habe ich keine Chance – entweder passt es oder es zerstört die empfundene Atmosphäre. Das heißt, wenn man die Lautmalerei umgeht, halte ich es für gefährlich, sich mit Verben anzutasten. Im gobu-gobu Fall würde ich glucksend als zu kindlichen Ausdruck empfinden und mich daher deutlicher von der Lautmalerei entfernen. Hastig trinken oder in großen Schlücken trinken. Genauso bei den Schritten – kurze Schritte, sanfte Schritte große Schritte, schwere Schritten scheint mir irgendwie angenehmer als tapsen, tippeln, stampfen. Das lässt mehr Spielraum zum Füllen. So, nun genug. Deine mobile Variante der Website scheint gut zu funktionieren.

  6. Kollegen!

    Ich finde, dass David Peace in seinen Japan-Krimis eine gute Möglichkeit gefunden hat, diese Lautmalerei ins Englische einzuführen, indem er es auf eine Art Klangebene verlegt. Ich bin dem beim Übersetzen ins Deutsche gefolgt und freue mich, auf diese Weise eine japanische sprachliche Eigenart (wo wir dann wieder bei der Dialekt/Soziolekt/Regiolektdiskussion wären … zumindest peripher) übertragen zu haben. Schaut mal rein. Geht das so?

  7. Guten Tag! Ich muß mich entschuldigen, das erst so spät freigeschaltet zu haben.
    Könnten Sie vielleicht ein Beispiel für so eine Art der Übertragung angeben, damit man genauer weiß, was man darunter verstehen kann?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.