Vormoderne Literatur an der Universität Osaka – ein Rückblick

Einer der Unterrichtsräume

Ein Unterrichtsraum

Meine Zeit in Osaka neigt sich dem Ende zu und es scheint der rechte Moment gekommen, zurückzuschauen.

Ich habe im Seminar für vormoderne Literatur der Universität Osaka als sogenannter “Special Researcher” vor allem am Unterricht von Prof. Iikura Yôichi teilgenommen. Bisher waren mir eher negative Erfahrungen anderer deutscher Studenten in Japan zu Ohren gekommen – vor allem die fehlende Diskussionskultur und die (für Deutsche zumindest) peinlichen Schweigepausen mitten im Unterricht wurden von Zeit zu Zeit angesprochen. Da war es erleichternd, das Klima in Prof. Iikuras Kursen erleben zu können. Dort wurde sogar noch mehr als in den meisten Seminaren, die ich aus Deutschland kenne, diskutiert und kommentiert; fast jeder Student hat sich um konstruktiven Beiträge bemüht.

Im Unterricht kamen wir oft ins Detail und in die Tiefe, was für einen Nicht-Muttersprachler nicht immer leicht war, da man ja doch nicht für alle Themen das Spezialvokabular bereit hat. Doch nicht nur für spezielle Fachfragen, sondern auch allgemeinere Überlegungen wie “Was ist Literatur?” wurde sich Zeit genommen. Die Stunden im Seminar waren inspirierend und die geringe Studentenzahl machte das Studieren fast ein bißchen gemütlich. Auf die Professoren sind offensichtlich weniger Verwaltungsaufgaben abgewälzt, als bei uns, so daß man jederzeit Kontakt zu ihnen aufnehmen und vorbeikommen kann.

Weitaus mehr als in den Universitäten, die ich bisher besucht habe, wurde am Seminar für Literatur der Universität Osaka für eine Studentengemeinschaft gesorgt. Ich konnte bei weitem nicht so viel mitmachen, wie ich gerne wenigstens probehalber hätte, aber um nur ein paar Facetten zu nennen: In den Mittagspausen wird in der Regel mehr oder weniger gemeinsam im Seminarraum gegessen, es gibt Wandertage mit literarisch interessanten Zielen und ein Mal im Jahr sogar eine einwöchige Seminarreise. Das kann man gut finden oder auch nicht (ich selbst bin etwas unentschieden), aber es entsteht in jedem Fall ein intensiver und fruchtbarer Austausch zwischen Professoren und Studenten.

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