Keigo, die japanische Höflichkeitssprache – muß das eigentlich sein?

Densha ga mairimasu - ohne Keigo kann man keinen Schritt auf den Bahnhof setzen

Densha ga mairimasu – ohne Keigo kann man keinen Schritt auf den Bahnhof setzen

Hier an der Universität Osaka organisiert Prof. Kinsui eine Veranstaltung namens »Nihongo Café«, die in einer ihrer Sitzungen die japanische Höflichkeitssprache, Keigo, zum Thema hatte. Die  Studenten diskutierten darüber, ob Keigo notwendig sei, ob sie Probleme bei der Anwendung hätten, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren würden, und es gab auch einige Versuchsgespräche, in denen man völlig ohne Höflichkeitssprache auskommen sollte. Von den vielen interessanten Ergebnissen dieser Fragen und Experimente hier nur eines: Kein einziger der Studenten stellte Keigo als solches in Frage. Tatsächlich wird es als notwendig und, im Umgang mit Fremden, als praktisch empfunden.

Warum ich diesen, im Grunde genommen banalen, Fakt so herausstelle? In meiner Zeit als Studentin in Deutschland habe ich, wie wohl die meisten Japanologiestudenten, von der Höflichkeitssprache Keigo eher am Rande erfahren. Genauer gesagt widmeten sich zwei kleine Kapitel unseres umfangreichen zweibändigen Lehrwerks diesem Thema, der Rest vermittelte die gewöhnliche Höflichkeitssprache teineigo, bzw. die freundschaftliche Umgangssprache. Das Ergebnis dieses Verfahrens wurde mir bewußt, als ich das erste Mal in China war: Nach einem halben Jahr Chinesischunterricht in Deutschland konnte mich dort nämlich sofort in allen alltäglichen Lebenssituationen verständigen. Erst da kam es mir seltsam vor, daß ich nach zwei Jahren Japanischunterricht in Japan nicht mal die einfachsten Sätze von Verkäufern oder Passanten hatte verstehen können.

Begibt man sich nicht ausschließlich in die Gesellschaft gut bekannter Gleichaltriger, wird man in jeder erdenklichen Gelegenheit angekeigo-t, sei es beim Einkauf, in öffentlichen Verkehrsmitteln, von Berufs- oder Universitätssituationen ganz zu schweigen. Versteht man Keigo nicht, kann zwar alles sagen, aber den Inhalt der Antworten allenfalls erfühlen; versteht man Keigo zwar, doch spricht es nicht, verständigt man sich sein Leben lang auf dem Niveau eines Kindes und wird, egal, wie viel Verständnis für Ausländer im Spiel ist, auch zum gewissen Grad als nicht-erwachsen wahrgenommen. Mit anderen Worten: Keigo ist nicht die Zusatzoption, als die es gehandelt wird. Es wäre gar nicht verkehrt, wenn sich das auch im Unterricht in Deutschland niederschlagen würde.

2 Kommentare

  1. Da kann ich dir nur 100%ig zustimmen.

    Als Studentin dachte ich, Keigo wäre nur so eine Art Plus Alpha. Aber wenn man’s kann, fühlt man sich tatsächlich irgendwie gegen alles gewappnet, was da so auf einen zukommt.

    Ich habe tatsächlich Spaß am Keigo Lernen, weil man sich damit so galant ausdrücken kann.

  2. Stimme ebenfalls zu. Bisher habe ich mich auch nur am Rande mit Keigo befasst und kann das meiste davon verstehen, aber wenn man wirklich “Japanisch können” will, sollte man auch Keigo benutzen können.

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