Die Leute aus Shanghai – Fortsetzung

Laojiu, japanisch Raochū, ist eine lange gereifte Variante von Huangjiu, ein nicht destillierter Wein aus Reis, Hirse oder Weizen

Laojiu 老酒, japanisch Raochū, ist eine lang gereifte Sorte von Huangjiu 黄酒 („Gelbwein“) aus Reis, Weizen oder Hirse mit weniger als 20% Alkoholgehalt.

Erster Teil der Übersetzung: Die Leute aus Shanghai. Guo Moruo in der japanischen Presse

Herr Maeda, der Verwalter des men’s house, in dem ich untergekommen bin, ist ein bekannter Mann in Shanghai; er ist Christ, Unternehmer und ein ziemlich guter Gesprächspartner. In diesem house haben schon Herr Kagawa Toyohiko,1 der Agrarwissenschaftler Herr Dr. Yamazaki Momoji2 und andere übernachtet. Was diesen Kagawa Toyohiko angeht: Er hat von der neuen Shanghaier Gruppe Verachtung erfahren. Ihm leisten nur noch hohe Beamte, reicher Männer Ehefrauen, alte Christen und Spione Gesellschaft. Dr. Yamazaki jedoch promovierte ursprünglich als Lehrer der Dōbun-Shoin-Universität, indem er Laojiu-Wein erforschte und ist eine neue Autorität in Bereich japanischer Bakterien-Fermentierung. (Heute lehrt er an der Gifu Hochschule für Land- und Forstwirtschaft.) Auf der ganzen Welt gibt es niemanden, der Laojiu-Wein so gründlich kennt wie er; er kennt ihn sogar so gut, daß er auch für’s Trinken einen Doktor bekommen sollte. Er ist ein äußerst offenherziger Weltbürger und genau der Typ Mensch, der in Shanghai wohnt. Ich habe von ihm viel über Laojiu-Wein erfahren.

Weiterhin gibt es in dieser Straße den Meister-Doktor Ishii für Nase, Ohren und Kehlkopf, jemand, der sich mehr als der Wissenschaft der Kunst verschrieben hat; ein höchst angenehmer Mensch. Für den Doktor sind die besten Studienkollegen Wein und Goethe.

Mir wurde von dem emporstrebenden Dichter Ishii Tansui der Shanghai-Dialekt vermittelt, Katsura Hisao3 hat mir die Straßen der Stadt vorgestellt, von der Situation der chinesischen Arbeiterbewegung habe ich durch den Arbeiter Hou Myoutera4 aus der K-Gewerkschaft erfahren und in Chinas politischen Auseinandersetzungen wurde ich vom im M-Zeitungsverlag arbeitenden Dichter Sakada Kan5 unterrichtet. All diese Menschen sind nun Freunde geworden.

Und ich bin, mit einem Gesicht wie ein waschechter Chinese, nur an Orte gegangen, zu denen ein normaler Japaner überhaupt nicht kommt. Dort habe ich mit Leuten aus verschiedenen Klassen und aller Herren Länder Freundschaft geschlossen. Ich habe vor, über diese Freunde in einer Erzählung zu schreiben.

Ich habe mit einem international tief geprägten Blick das öde Japan kritisiert und auch mich selbst geprüft. Ich bin ziellos nach Shanghai gegangen und habe auch dort unter Schwierigkeiten zu leiden gehabt, aber ich glaube, daß es wirklich eine gute Sache war. Shanghai hat mir ein neues Leben, neue Gedanken und heitere Freunde geschenkt.

Ein Lob auf meine eigene Irrfahrtensucht!

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  1. Kagawa Toyohiko (1888–1960) studierte in Tokyo und den USA. Er war Schriftsteller, christlicher Reformer, Kämpfer für Arbeiterrechte und Pazifist. []
  2. Yamazaki Momoji  (1890–1962) []
  3. Katsura Hisao: Diese Namenslesung konnte leider nicht bestätigt werden. []
  4. Hou Myoutera: Die Lesung des ersten Zeichens blieb unklar. []
  5. Sakada Kann: Auch diese Namenslesung ist nicht gewiß. []

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