Schlecht gemacht oder nur schlechtgemacht? Die Neue Deutsche Rechtschreibung

Die Überschrift fristet ihr Dasein als bloßer Aufhänger – die Rechtschreibreform von 1996 war schlecht gemacht, das wissen sogar diejenigen, die sie initiiert haben. Der Wahnsinn aus der Mitte der Neunziger wurde zehn Jahre später abgemildert; zurück blieb etwas, das mehr einer Rechtschreib-Empfehlung als einem -Regelwerk gleicht – und jede Menge Einzellösungen, die sich von Verlag zu Verlag, ja von Person zu Person unterscheiden.

Meinem ordnungsliebenden Herzen widerstrebt solche Schreibvarianz, allerdings hat es sich inzwischen ein dickes Fell zulegen müssen: Ein Blick ins Japanische stumpft auch den schärfsten Reformgegner ab, denn dort kann jedes Wort in mindestens drei, häufig mehr Varianten geschrieben werden. Ganz so weit haben es die Reformisten nicht gebracht, aber die entstandene Konfusion ist doch recht beachtlich.

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Illustrated Guide to Becoming a Translator

Manchmal werde ich von ehemaligen Kommilitonen gefragt, wie man am besten ins Übersetzungsgeschäft einsteige. In meinem Fall war es vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda, aber nicht jeder hat die nötigen Verbindungen. Da ich gerade über einen informativen Link zum Thema gestolpert bin, wollte ich ihn gerne hier verbreiten.

Illustrated Guide to Becoming a Translator

 

Mori Ōgais Faust

Im Sammelband Ôgai – Mori Rintarô: Begegnungen mit dem japanischen homme de lettres, herausgegeben von Klaus Kracht, Harald Salomon im Harrassowitz-Verlag ist ein Aufsatz von mir erschienen: „Mori Ōgais Faust“ (Seiten 258–268). Darin werden, konziser als in meinem Beitrag in Japonica Humboldtiana, anhand von Beispielen aus dem Eingangsmonolog die Übersetzungsmethoden Ōgais beleuchtet. Mein Dank gilt Herrn Prof. Kracht für seine hilfreichen Hinweise und Frau Dr. Greiner-Petter für ihre Geduld.

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Ôgai — Mori Rintarô. Begegnungen mit dem japanischen homme de lettres. Herausgegeben von Klaus Kracht und Harald Salomon, Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2014.

4 Werkzeuge für die Doktorarbeit

Mein kreatives Tief läßt immer noch Platz für ein paar Empfehlungen. Diesmal stelle ich 4 Programme vor, die mir die Arbeit an meiner Dissertation erleichtern – ausnahmsweise ohne Ostasien-Bezug.

Citavi

http://www.citavi.de/de/index.html

Dieses Programm zur Literatur- und Zitatverwaltung gibt es mittlerweile an jeder deutschen Universität für Studenten und Dozenten kostenlos und es kann, wenn man sich darauf einläßt, eine aufwendige, aber am Ende lohnende Zeitinvestition sein. Textstellen oder Inhalte, die für das Projekt relevant sind, kann man darüber sowohl den Büchern zuordnen, die man benutzt, als auch thematisch zusammenstellen. Kein nachträgliches Suchen von Seitenzahlen, kein tagelanges Basteln am Literaturverzeichnis und vor allem: Nie bei Schreibbeginn vor einer leeren Seite sitzen müssen.

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Workflowy

https://workflowy.com/

Mit diesem schlanken Programm lassen sich Listen anfertigen, verwalten und abarbeiten.

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Überinformation

Japan ist komisch – zumindest läßt sich das in jeder beliebigen Zeitung, in jedem Wochenmagazin nachlesen. Der gescheite Leser weiß, daß die meisten Phänomene Ursachen haben, und daß das alles so komisch nicht sein würde, machte man sich die Mühe, beim Berichten nicht nur die Blüten zu zeigen, sondern auch Stengel und Wurzeln ein bißchen Beachtung zu schenken.

Dann wiederum gibt es ein paar Dinge, die mich trotzdem erstaunen. Eines davon ist das Anhäufen von Informationen auf Schildern, Aufklebern, Plakaten, aber auch die Ansagen, die aus Lautsprechern strömen oder aus Bildschirmen strahlen. Damit meine ich nicht einmal Werbung – denn wo nervt die nicht? – , sondern offizielle Meldungen öffentlicher Institutionen wie Universitäten, Kindergärten, Bahnbetriebe, Bürgerämter etc. Ich gebe zu, daß mich wichtige Informationen, die man sich einzeln zusammensuchen muß, ärgern, ganz egal, auf welchem Teil der Weltkugel ich mich befinde. Es scheint mir aber, Japan hat sich zum Vorreiter der Informationsverstreuung aufgeschwungen.

Als Ausländer versteht man entweder kein Japanisch und kann also ohne schlechtes Gewissen alles überlesen und im Fall des Falles unschuldig gucken. Oder aber man hat sich die Sprache mit Mühe und Not angeeignet und quält man sich bei jedem Schritt aus dem Haus durch eine Unmenge an Texten, die in der Regel Selbstverständliches wiedergeben, sich der stetigen Gefahr bewußt, daß man Wichtiges überlesen könnte. Das klingt abstrakt; nun zum Anschaulichen: ein paar Bildern.

Wissen Sie, was das ist?

Wissen Sie, was das ist?

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Neujahrsgruß

Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig: Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen.

Dieses Zitat Albert Einsteins hat mich im letzten Jahr bei einigen Entscheidungen stärken können.

Auf ein produktives neues!

Sonnenturm im Expo Memorial Park Osaka

Sonnenturm im Expo Memorial Park Osaka

Nicht nur zur Weihnachtszeit

… aber leider auch zur Weihnachtszeit gibt es Betrugsversuche. In meinem Postfach lag gestern ein Anschreiben des „Journal of Literature and Art Studies“ von David Publishing. Man hat mich auf einen Vortrag angesprochen, den ich beim letzten Treffen der European Society of Japanese Studies gehalten habe und wollte meine Beiträge für das Journal gewinnen.

Ich war zunächst nur mißtrauisch, weil ich überhaupt angeschrieben wurde – immerhin kann ich mir noch nicht erlauben, Buchstaben vor meinen Namen zu setzen. Eine kurze Recherche ergab, daß dieses Journal nicht nur ca. 500 – 1000 Dollar für die Korrektur- und Satzarbeit von ihren Autoren verlangt, sondern auch gegen die Empfehlungen der (in der Regel ebenfalls auf das professionelle Erscheinungsbild des Journals hineingefallenen) Reviewers jeden veröffentlicht, der bereit ist, so viel Geld für eine Veröffentlichung zu bezahlen.

David Publishing versucht, durch optisch professionelles Auftreten und direkten Kontakt mit Wissenschaftlern, die auf Konferenzen gesprochen haben, glaubwürdig zu erscheinen. Dabei beschränken sie sich nicht auf Literatur- und Kunstwissenschaftler, sondern auch Akademiker zahlreicher andere Fachrichtungen. Es ist nur zu hoffen, daß junge Wissenschaftler nicht darauf hereinfallen. Kein zusätzlicher Absatz in der Liste der eigenen Veröffentlichungen kann die Peinlichkeit überdecken, in diesem Haus veröffentlicht worden zu sein. Zur besseren Auffindbarkeit in Suchmaschinen kopiere ich hier einmal die komplette E-Mail, die an mich gesendet wurde.

 

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Promovieren oder nicht promovieren

doktorfischDas ist in letzter Zeit in meinem Bekanntenkreis öfter mal die Frage. Als gewissermaßen Betroffene werde ich da gerne mal um Rat gebeten und gebe immer folgenden:

Wenn man hundertprozentig vom Thema überzeugt ist und weiß, daß man damit mit Freude drei bis fünf Jahre verbringen kann, sollte man die Doktorarbeit schreiben.

Man kann noch viel mehr dazu sagen (vgl. Links unten), aber wirklich wichtig ist eigentlich nur diese Voraussetzung. Alles andere führt zu Katastrophen oder unglücklichen Doktoranden. Man kann sich in Ruhe an seine Magister- oder Masterarbeitszeit erinnern und fragen, ob man, auf sich allein gestellt, gut arbeitet. Denn wenn man nicht gerade in eine Graduate School eingebunden ist, hat man praktisch mit niemandem Kontakt, außer mit seiner Betreuerin oder seinem Betreuer. Oft ist man auch so spezialisiert, daß es gar nicht so leicht möglich ist, sich mit anderen über sein Thema auszutauschen.

In einigen Fächern gibt es schon eine kumulative Dissertation, d.h. man schreibt keine lange Arbeit, sondern mehrere kleine Aufsätze. Die obigen Probleme treten da entweder weniger auf, weil kein riesiges Projekt zu bearbeiten ist, oder ständig, weil immer wieder Projekte fristgerecht fertiggestellt werden müssen. Auch da kann eine Minute Gedenken an die vergangenen Hausarbeiten hilfreich sein.

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Einen schönen Aufsatz zur Entstehung einer Dissertation hat Lars Frers geschrieben.

Ebenfalls lesenswert, auch, wenn man über eine Promotion erst noch nachdenkt, ist B. J. Epsteins Artikel When to Give Up the PhD.