»Um dem Leser ohne sinologischen Hintergrund einen besseren Zugang zu “Der rote Stein” zu geben, aber auch das Verständnis für die auf den ersten Blick sehr fremden Hintergründe zu erleichtern, wurde bei der Übersetzung besonderer Wert darauf gelegt, auch dem „Anfänger“ in der Welt der asiatischen Literatur einen guten Einstieg zu gewährleisten. So wurden die eher unübersichtliche Personage von 283 auf leserverträgliche dreißig Figuren gekürzt, wobei besonderer Wert auf eine möglichst genaue Beibehaltung aller Beziehungen gelegt wurde. Um das zu erreichen, wurden dementsprechend einige Figuren, die vormals von verschiedenen Personen im Roman verkörpert wurden, gefühlvoll zusammengeschmolzen.

West-östlicher Divan
Obwohl Goethe bekanntermaßen aus mancherlei Sprachen übersetzte, hat er sich doch wenig theoretisch zum Übersetzen geäußert; nur hier und da finden sich einzelne Anmerkungen dazu. Der einzige etwas längere Aufsatz über die Kunst des Übersetzens steht im West-östlichen Divan. Bei der Beurteilung von Goetheübersetzungen in andere Sprache ist es sicher nicht uninteressant, was der Autor selbst für eine gute Übersetzung hielt, und so sei auch dieser Aufsatz hier einmal aufgeführt.
Übersetzungen
Da nun aber auch der Deutsche durch Übersetzungen aller Art gegen den Orient immer weiter vorrückt, so finden wir uns veranlaßt, etwas zwar Bekanntes, doch nie genug zu Wiederholendes an dieser Stelle beizubringen.
Es gibt dreierlei Arten Übersetzung. Weiterlesen »

Gretchen stellt ihre gleichnamige Frage
Jedem Übersetzer stellt sich spätestens bei der genaueren Ausformulierung des übersetzten Textes die – um beim Gegenstand zu bleiben – Gretchenfrage: Für wen schreibt man die Übersetzung? Die Antworten können so vielfältig sein wie die Leser: es läßt sich schreiben für sprachliches Fachpublikum, Philologen, Historiker, Ethnologen und so weiter und so fort, nicht zuletzt auch für gänzlich unbedarfte Leser, die sich einfach einen schönen, flüssig zu lesenden Text wünschen.
Die zwei interessantesten Fragen, die man mit einer Rückübersetzung zu beantworten versuchen kann, sind selbstverständlich: Wie gut übersetzt der Autor? und Wie läßt sich der Originaltext in der Fremdsprache umsetzen? Diese beiden Fragen auf einmal beantworten zu wollen, bringt ein Dilemma mit sich: Möchte man die, womöglich gut gelungene, Übersetzung in ihrer sprachlichen Schönheit darstellen, muß man die Rückübersetzung wiederum in einen wohlklingenden Text verwandeln. Möchte man allerdings möglichst viel vom originalen Satzbau der Übersetzung durchscheinen lassen, so tut man dem Deutschen zwangsläufig, zumal bei entfernten Sprachen, Gewalt an.
Ein Beispiel sei genannt: Der zweite Vers Faustens bekannten Ausspruchs „Da steh’ ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor;“ liest sich, überträgt man den japanischen Satzbau Ōgai Mori Rintarōs Wort für Wort ins Deutsche, wie folgt:

Prof. Oshio
Professor OSHIO Takashi 小塩節, Germanist und ehemaliger Diplomat, hielt heute in der Japanischen Botschaft einen Vortrag: “Goethe und die Japaner”. Bereits die Wahl des Titels verriet, daß es sich bei der Rede um einen populärwissenschaftlichen Vortrag handeln mußte, denn “den Japanern” begegnet man eigentlich ausgesprochen selten.
In sehr liebevollem Ton und äußerst unterhaltsam rezitierte Prof. Oshio Goethes “Wanderers Nachtlied” in drei Sprachen, hob besonders bewegene Worte und Stimmungen darin hervor und zog einen Vergleich zu Matsuo Bashō, in dem er die These vertrat, daß die beiden Dichter ähnlich “musikalisch” dichteten. Auch streute er Anekdoten aus seiner Zeit als Übersetzer ein, legte eine preisverdächtige Thomas-Mann-Imitation hin und sang mit klarer Stimme drei Lieder. Erfuhr man zwar wenig über “Goethe und die Japaner”, so doch zumindest vieles über “Goethe und den Japaner”.

Guo Moruos Faust - Ausgabe von 1934
Für den Vergleich der beiden Faustübersetzungen von Mori und Guo habe ich die Originaltext noch einmal verschriftlicht und stelle sie hier hinein, damit diese, bisher im Internet noch nicht vorhandenen Schriften auch anderen interessierten Lesern zugänglich werden.
哲理呀
……

Fuzanbo-Originalausgabe
In meiner Arbeit werde ich aller Voraussicht nach den Eingangsmonolog von Faust (“Nacht”) in der Übersetzung von Ōgai Mori Rintarō und Guo Moruo untersuchen. Da Moris Übersetzung nicht in der Originalfassung im Internet zu finden ist, habe ich sie hier einmal für Interessierte bereitgestellt:
はてさて、……

Rembrandts Gelehrter, nachgestochen von Johann Heinrich Lips für den Druck von 1790 "Faust. Ein Fragment"
Die Szene, um die es sich in näherer Zukunft vorranging drehen wird, ist der Eingangsmonolog Faustens. Obwohl man seiner auch an anderen Stellen des Internets habhaft werden kann, sei hier der Vollständigkeit halber auch das Goethesche Original aufgeführt.
Habe nun, ach! …

Guo Moruo: Kindheit
Eine der spannendsten Zeiten in der Geschichte Chinas ist die Periode rund um die Vierter-Mai-Bewegung. Der Untergang einer Jahrtausende alten Kaiserherrschaft, der sog. Boxeraufstand, Kontakte mit dem Ausland und das langsame politische und geistige Erwachen Chinas sind alles interessante historische Ereignisse, über die man in Geschichtsbüchern viel lesen kann. Daß aber auch eine Autobiographie zur Illustration der Zeit einen anschaulichen Beitrag bieten kann, zeigt das folgende Buch.
Eine der wichtigsten Figuren diese Zeit als politischer Akteur und meinungsschaffender Intellektueller war Guo Moruo. Außerdem war er ein bedeutender Schriftsteller mit brilliantem Gedächtnis und hat mit diesen beiden Fähigkeiten der Nachwelt viele autobiographische Schriften hinterlassen. An seiner Biographie, die geradezu exemplarisch für die damalige intellektuelle Schicht war, kann man nicht nur die chinesische Geschichte in wunderbar anschaulicher Weise nachvollziehen, sondern bekommt auch einen tiefen Einblick in das Leben Guo Moruos, der bis auf die kleinsten und auch teilweise sehr privaten Details seines Lebens nichts ausläßt. Dabei ist das Buch voller Witz und von so lebendiger Schreibweise, daß man kaum davon ablassen möchte. Die zahlreichen Anmerkungen machen Vorwissen kaum notwendig, so daß auch Chinaunkundige das Buch genießen können.
Guo Moruo. Kindheit
und
Guo Moruo. Jugend
(Beides im Inselverlag erschienen, übersetzt und annotiert von Ingo Schäfer.)
Ein unbezahlbares (und deswegen glücklicherweise kostenloses) Arbeitsmittel sind die Kataloge und Zugänge zu Datenbanken, Enzyklopädien, Wörterbüchern und so fort, derer man über Crossasia habhaft werden kann. (Zugriff haben Dozenten und Studenten kostenlos, alle anderen – soweit mir bekannt – nur über eine Mitgliedschaft bei der Staatsbibliothek Berlin.)
Guo Moruos Werke bei Millionbook
Einige Werke Guo Moruos stehen bei Millionbook kostenlos zur Verfügung und eignen sich für schnelles Nachschlagen. Die Übersetzungen sind hier leider nicht verzeichnet.
Unmengen frei zugängliche japanische Bücher zu allen Themengebieten.
Einige Werke Mori Rintarōs (alias Mori Ōgais) stehen bei Aozora kostenlos zur Verfügung und eignen sich für schnelles Nachschlagen. Die Übersetzungen sind hier leider nicht verzeichnet.
In der Staatsbibliothek zu Berlin, die die größte ostasiatische Sammlung Europas besitzt, kann man neben dem allgemeinen Katalog in einem gesonderten Katalog in den jeweiligen Fremdsprachen suchen. Statt beispielsweise 5 Büchern zu Guo Moruo, die man im normalen Katalog findet, stehen dort 160 (in Worten: hundertsechzig) Bücher zur Verfügung.
Index zu Guo Moruos Literatur-Gesamtausgabe
Hsi-chu Bolick 黃熹珠 und Ling-k’uan Huang 黃齡寬 von der University of North Carolina at Chapel Hill haben einen großen Index der Literatur-Gesamtausgabe zusammengestellt; in chinesischer Schrift, Pinyin und Wade Giles kann man alle Inhalte finden.
Etymologisches japanisches Onlinewörterbuch
Noch nicht umfassend, bietet dieses Wörterbuch doch in mancher Worte Ursprung Einblick.
(Diese Liste wird laufend erweitert.)
| Hsi-chu Bolick (黃熹珠) | |
| Ling-k’uan Huang (黃齡寬) |