Programmheft des diesjährigen DOTs

Programmheft des diesjährigen DOTs

Mittlerweile stehen Datum, Zeit und Ort meines Vortrags auf dem 31. Deutschen Orientalistentag in Marburg fest. Alle Zuhörer sind herzlich willkommen:

Freitag, 24. September 2010

9-10:30 (Block 3)

Wilhelm-Röpke-Str. 6, Raum 03B07

zu meinem Vortrag mit dem Titel »Ich muß es anders übersetzen: Die Faust-Übersetzungen
von Mori Ōgai und Guo Moruo«.

 
Jenseits von Weimar

Jenseits von Weimar

»Der Weisheit letzter Schluß ist also bei mir dieses: Man soll Goethe nicht in irgendeiner Übersetzung lesen, sondern immer nur im Originaltext, und zwar in einer ausführlich kommentierten Ausgabe. Es lohnt sich, deswegen die deutsche Sprache zu erlernen. Oder aber vielleicht mache ich für mich persönlich eine japanische Faust-Übersetzung. Sie wird dann sicher meiner Kritik standhalten.«

Dez 252009
 

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Ueberall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn Dir’s begegnet
Und ein Abend so Dich segnet,
Daß als Lichter, daß als Flammen
Vor Dir glänzten allzusammen
Alles was Du ausgerichtet,
Alle die sich Dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

J. W. v. Goethe – Weihnachtsgedichte von Guo Moruo und Mori Ōgai sind eher spärlich gesät. (Katsumi Tateno-Kracht und Klaus Kracht arbeiten aber, wie man hört, an einem Buch über Weihnachten im Hause Mori – vielleicht also nächstes Jahr an dieser Stelle mehr.)

 
Guo bei der Arbeit

Guo bei der Arbeit

Wenn vielleicht kaum überrascht, daß Goethe China für sich entdeckt hat1, bevor China Goethe entdeckte, verwundert doch, daß die erste nachweisbare Übersetzung eines Goethetextes in die chinesische Sprache erst vor weniger als 100 Jahren publiziert wurde. Schon ein Jahrzehnt später sollte Goethe aber der beliebteste, meistgelesene und meistübersetzte ausländische Dichter in China sein und ein wesentliches Element bei der Entwicklung einer neuen Literatur nach dem Ende der Kaiserzeit. Es lohnt sich daher, genauer zu betrachten, was Goethe in dieser Phase chinesischer Geschichte so schlagartig hat populär werden lassen, und mit diesem Vorgang ist, wie hier gezeigt werden soll, untrennbar der chinesischen Schriftsteller, Geisteswissenschaftlicher, Naturwissenschaftler, Übersetzer, Kalligraph, Revolutionär und Staatsmann Guo Moruo verbunden. Denn obwohl Goethe und sein Werk viele chinesische Dichter in den zwanziger und dreißiger Jahren inspirierten, war es Guo, der am tiefsten in seinem Denken und Schaffen von Goethe beeinflußt war und der ihn durch seine Übersetzungen und Veröffentlichungen in China bekanntmachte.2

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Goethe 1819

Goethe 1819

Wenn auch mannigfaltige Aufgaben mich daran hindern, heute Eigenes zu veröffentlichen, möchte ich doch der Allgemeinheit einen kleinen Dienst tun und die bisher im Internet nicht auffindbaren Übersetzungen chinesischer Gedichte, die Goethe in dem Aufsatz Chinesisches 1827 in Über Kunst und Altertum veröffentlichte hier austellen. Die enthaltenen Gedichte übersetzte Goethe aus Thoms’ englischer Fassung The Song of a Hundred Beautiful Women.

Chinesisches

Nachstehende, aus einem chrestomathisch-biographischen Werke, das den Titel führt: „Gedichte hundert schöner Frauen”, ausgezogene Notizen und Gedichtchen geben uns die Überzeugung, daß es sich trotz aller Be­schränkungen in diesem sonderbar-merkwürdigen Reiche noch immer leben, lieben und dichten lasse.

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Nicht nur in europäischen Gefilden betreibt man Bilderstürmerei – ob nun mit bösen Absichten oder im Glauben, Goethe verbessern zu müssen oder können. Der chinesische Dramatiker Shenlin (沈林) konnte mit seinem Stück “Faust. Eine Raubkopie” (盗版浮士德) große Erfolge auf der Pekinger Bühne verzeichnen, wo es zu Goethes 250. Geburtstag uraufgeführt wurde. Es ist ein wildes Sammelsurium aus Originaldialogen (z.B. der Kerkerszene), anderen Versatzstücken über Goethe mit einer starken, bis ins Lächerliche gezogenen Modernisierung (Mephisto als Fernsehregisseur, Gretchen als Praktikantin, Faust im Auftrag der NASA auf dem Mond…). Die Verflachung ist vorprogrammiert – aber sehen wir anhand eines kurzen Ausschnittes, den ich übersetzt habe, selbst nach, was man im 21 Jhd. unter dem Namen “Faust” schreiben und aufführen kann.

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West-östlicher Divan

West-östlicher Divan

Obwohl Goethe bekanntermaßen aus mancherlei Sprachen übersetzte, hat er sich doch wenig theoretisch zum Übersetzen geäußert; nur hier und da finden sich einzelne Anmerkungen dazu. Der einzige etwas längere Aufsatz über die Kunst des Übersetzens steht im West-östlichen Divan. Bei der Beurteilung von Goetheübersetzungen in andere Sprache ist es sicher nicht uninteressant, was der Autor selbst für eine gute Übersetzung hielt, und so sei auch dieser Aufsatz hier einmal aufgeführt.

Übersetzungen

Da nun aber auch der Deutsche durch Übersetzungen aller Art gegen den Orient immer weiter vorrückt, so finden wir uns veranlaßt, etwas zwar Bekanntes, doch nie genug zu Wiederholendes an dieser Stelle beizubringen.

Es gibt dreierlei Arten Übersetzung. Continue reading »

 
Guo Moruos Faust - Ausgabe von 1934

Guo Moruos Faust - Ausgabe von 1934

Für den Vergleich der beiden Faustübersetzungen von Mori und Guo habe ich die Originaltext noch einmal verschriftlicht und stelle sie hier hinein, damit diese, bisher im Internet noch nicht vorhandenen Schriften auch anderen interessierten Lesern zugänglich werden.

哲理呀 ……

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Fuzanbo-Originalausgabe

Fuzanbo-Originalausgabe

In meiner Arbeit werde ich aller Voraussicht nach den Eingangsmonolog von Faust (“Nacht”) in der Übersetzung von Ōgai Mori Rintarō und Guo Moruo untersuchen. Da Moris Übersetzung nicht in der Originalfassung im Internet zu finden ist, habe ich sie hier einmal für Interessierte bereitgestellt:

はてさて、……

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Jun 172009
 
Rembrandts Gelehrter, nachgestochen von Johann  Heinrich Lips für den Druck von 1970 "Faust. Ein Fragment"

Rembrandts Gelehrter, nachgestochen von Johann Heinrich Lips für den Druck von 1790 "Faust. Ein Fragment"

Die Szene, um die es sich in näherer Zukunft vorranging drehen wird, ist der Eingangsmonolog Faustens. Obwohl man seiner auch an anderen Stellen des Internets habhaft werden kann, sei hier der Vollständigkeit halber auch das Goethesche Original aufgeführt.

Habe nun, ach! …

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