In den nächsten zwei Jahren forsche ich an der Universität Osaka für mein Dissertationsthema, das den Arbeitstitel »Gesaku im Schaffen japanischer Schriftsteller der Gegenwart: Inoue Hisashis Beschäftigung mit der Literatur der späten Edo-Zeit« trägt. Genauer geht es dabei um folgendes:

Auf den ersten Blick sieht man den Wachturm von Yoshiwara - der zweite Blick enthüllt ein Stück Tofu in einer Schale
Vom 19. bis 22. Dezember hielt der emiritierte Professor der Tōkyō-Universität, Nobuhiro Shinji 延広真治, an der Universität Osaka eine Intensiv-Vorlesung über Santō Kyōdens »Kimyō zui« 『奇妙図彙』. Das Buch enthält, nach einer kurzen Einleitung, eine Reihe Bilderrätsel, die aus Schriftzeichen oder alltäglichen Gegenständen in ungewohnter Perspektive entstanden sind und immer eine intelligente Wendung enthalten. Continue reading »
Eine Bezeichnung, auf die ich in diesem Journal häufiger zu schreiben kommen werde, ist gesaku. Damit wiederholte Erklärungen entfallen können, soll hier kurz erklärt werden, was es mit diesem Wort auf sich hat.
Gesaku 戯作 (andere Leseweisen sind kisaku, gisaku, kesaku) bedeutet wörtlich »im Scherz gemacht« und ist ein Oberbegriff für verschiedene Prosa-Textsorten, die in der Edo-Zeit (1603–1868) entstanden sind. Er drückt aus, daß der Autor seinem Werk eine leichtfertige Haltung gegenüber einnnimmt; es also nicht seinen ernsten (Haupt-)Geschäften gleichkommt.
In seiner ersten Phase in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden gesaku-Werke von einer überschaulichen Gruppe Gelehrter geschrieben und im kleinen Kreis verbreitet. Während auch zu dieser Zeit schon verschiedene Textsorten dazuzählten, drehten sie sich inhaltlich recht eng um Moden, Gerüchte und das Leben in den Freudenvierteln und auf dem Theater. Stilistisch zeichneten sich sich durch Wortspiele, Anspielungen und Parodien auf ältere Werke und eine komplexen formalen Aufbau aus.
