Einträge vom 8. September 2009

Guo bei der Arbeit

Guo bei der Arbeit

Wenn vielleicht kaum überrascht, daß Goethe China für sich entdeckt hat1, bevor China Goethe entdeckte, verwundert doch, daß die erste nachweisbare Übersetzung eines Goethetextes in die chinesische Sprache erst vor weniger als 100 Jahren publiziert wurde. Schon ein Jahrzehnt später sollte Goethe aber der beliebteste, meistgelesene und meistübersetzte ausländische Dichter in China sein und ein wesentliches Element bei der Entwicklung einer neuen Literatur nach dem Ende der Kaiserzeit. Es lohnt sich daher, genauer zu betrachten, was Goethe in dieser Phase chinesischer Geschichte so schlagartig hat populär werden lassen, und mit diesem Vorgang ist, wie hier gezeigt werden soll, untrennbar der chinesischen Schriftsteller, Geisteswissenschaftlicher, Naturwissenschaftler, Übersetzer, Kalligraph, Revolutionär und Staatsmann Guo Moruo verbunden. Denn obwohl Goethe und sein Werk viele chinesische Dichter in den zwanziger und dreißiger Jahren inspirierten, war es Guo, der am tiefsten in seinem Denken und Schaffen von Goethe beeinflußt war und der ihn durch seine Übersetzungen und Veröffentlichungen in China bekanntmachte.2

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