Einträge vom September 2009

"China provoziert Gastgeber" Screenshot der Tagesschau-Webseite vom 12. 09. 09

"China provoziert Gastgeber" Screenshot der Tagesschau-Webseite vom 12. 09. 09

“China provoziert Gastgeber” lautet die Überschrift zu einem Video, das man heute auf den Seiten der Tagesschau sehen kann. Tendenziöse Berichterstattung, wie man sie in Deutschland gewöhnt ist, so bald (nicht nur) über China gesprochen wird. Dabei ist in nichts peinlich, selbst nicht, daß die Überschrift durch das dazugehörige Video kompromittiert wird. Dort wird nämlich gezeigt, daß – als für die VR problematisch bekannte – “regimekritische” Schriftsteller Dai Qing und Bei Ling, die vorher offiziell ausgeladen waren, “im letzten Moment” doch noch eingeladen worden sind und das Programm kurzfristig geändert wurde. Petra Roth (CDU), Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main mußte auch noch einmal ihre rechtstaatliche Aufrichtigkeit beweisen und die Buchmesse “für fehlende Standhaftigkeit gegenüber den chinesischen Behörden” kritisieren – natürlich in aller Öffentlichkeit und vor dem chinesischen Komitee. Schließlich wurden die beiden kurzfristig eingeladenen Schriftsteller auch noch für ein Statement auf die Bühne geladen, worauf das chinesische Komitee den Saal verließ, um allerdings wenig später wieder zurück zu kehren. – Eine unerhörte Provokation also, wie man in der Tagesschau beflissen berichtet. Weiterlesen »

Guo bei der Arbeit

Guo bei der Arbeit

Wenn vielleicht kaum überrascht, daß Goethe China für sich entdeckt hat1, bevor China Goethe entdeckte, verwundert doch, daß die erste nachweisbare Übersetzung eines Goethetextes in die chinesische Sprache erst vor weniger als 100 Jahren publiziert wurde. Schon ein Jahrzehnt später sollte Goethe aber der beliebteste, meistgelesene und meistübersetzte ausländische Dichter in China sein und ein wesentliches Element bei der Entwicklung einer neuen Literatur nach dem Ende der Kaiserzeit. Es lohnt sich daher, genauer zu betrachten, was Goethe in dieser Phase chinesischer Geschichte so schlagartig hat populär werden lassen, und mit diesem Vorgang ist, wie hier gezeigt werden soll, untrennbar der chinesischen Schriftsteller, Geisteswissenschaftlicher, Naturwissenschaftler, Übersetzer, Kalligraph, Revolutionär und Staatsmann Guo Moruo verbunden. Denn obwohl Goethe und sein Werk viele chinesische Dichter in den zwanziger und dreißiger Jahren inspirierten, war es Guo, der am tiefsten in seinem Denken und Schaffen von Goethe beeinflußt war und der ihn durch seine Übersetzungen und Veröffentlichungen in China bekanntmachte.2

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