Nicht nur in europäischen Gefilden betreibt man Bilderstürmerei – ob nun mit bösen Absichten oder im Glauben, Goethe verbessern zu müssen oder können. Der chinesische Dramatiker Shenlin (沈林) konnte mit seinem Stück “Faust. Eine Raubkopie” (盗版浮士德) große Erfolge auf der Pekinger Bühne verzeichnen, wo es zu Goethes 250. Geburtstag uraufgeführt wurde. Es ist ein wildes Sammelsurium aus Originaldialogen (z.B. der Kerkerszene), anderen Versatzstücken über Goethe mit einer starken, bis ins Lächerliche gezogenen Modernisierung (Mephisto als Fernsehregisseur, Gretchen als Praktikantin, Faust im Auftrag der NASA auf dem Mond…). Die Verflachung ist vorprogrammiert – aber sehen wir anhand eines kurzen Ausschnittes, den ich übersetzt habe, selbst nach, was man im 21 Jhd. unter dem Namen “Faust” schreiben und aufführen kann.